Ganzjahresreifen - Das Ei des Columbus?

Zwei Mal im Jahr Reifen umrüsten: Muss das sein? Wer sich für Ganzjahresreifen, auch Allwetterreifen genannt, entscheidet, spart auf jeden Fall Zeit. Ob er auch Geld spart, darf bezweifelt werden. Nur unter ganz bestimmten Bedingungen kann der Ganzjahresreifen die richtige Wahl sein.

"Grundsätzlich wird zwischen Sommerreifen (ohne M+S-Kennung) und Winterreifen (mit M+S-Kennung) unterschieden", bringt es Hans-Jürgen Drechsler, Geschäftsführer des Bundesverbandes Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk (BRV e.V.), Bonn auf den Punkt. "In diesem Sinne sind Ganzjahresreifen mit M+S-Kennzeichnung Winterreifen mit Sommereignung." Grundsätzlich bieten die Generalisten zwei Vorteile. Erstens wird nur ein Reifensatz benötigt. Damit entfallen Kosten oder Aufwand für Umstecken und Lagerung. Und zweitens können Autofahrer, die wegen ihrer defensiven Fahrweise auf die vorgeschriebenen Geschwindigkeitskategorien verzichten wollen, auch im Sommer relativ kostengünstige, aber nicht für hohes Tempo zugelassene, Reifen fahren. Sie müssen allerdings einen Aufkleber im Fahrersichtfeld anbringen, der sie an die Geschwindigkeitsbeschränkung erinnert.

Der Nachteil: Zwangsläufig bleibt selbst der beste Allwetterreifen immer ein Kompromiss. Aus gutem Grund unterscheiden sich die Gummimischungen von Sommer- und Winterreifen erheblich, ebenso ihre Laufflächenprofile. Auf Schnee und Eis erreicht der Ganzjahresreifen daher nicht die Bodenhaftung eines guten Winterreifens, im Sommer sind sein Verschleiß und Kraftstoffverbrauch höher sowie sein Kurvenverhalten schlechter als bei guten Sommerreifen. Die Zielkonflikte zwischen Sommer und Winter sind einfach zu groß!

Daher am besten:


"Da die Auswahl an Ganzjahresreifen auf wenige Marken und Modelle beschränkt ist, werden von der Fachpresse keine reinen Ganzjahrestests publiziert", so Drechsler. Vergleichstests belegen jedoch, dass sie gegenüber den reinen Spezialisten für Sommer und Winter nur die zweite Wahl sind. Beispielsweise ließ "Auto Bild" im März 2008 zwei Ganzjahresreifen gegen 15 Sommerreifen antreten. In allen Testkategorien erreichen die Allrounder sowohl auf trockener wie auf nasser Fahrbahn nur mittlere bis schwache Ergebnisse. Ihre Aquaplaning-Sicherheit ist geringer, ihr Bremsweg länger, ihr Kurvenverhalten schlechter. In Grenzsituationen kann es also brenzlig werden.

Ob Ganzjahresreifen unter Umständen dennoch eine geeignete Alternative darstellen, ist von der individuellen Fahrzeugnutzung abhängig. Infrage kommen sie vorrangig für kleine Fahrzeuge, die wirtschaftlich betrieben werden sollen und nur selten im Bereich der Höchstgeschwindigkeit gefahren werden. Vorausgesetzt, das Auto kann bei extremen Witterungsverhältnissen stehen bleiben oder mit Schneeketten ausgerüstet werden.

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Was Sie über Sommerreifen wissen müssen

Mit unserer Broschüre wollen wir aus Sicht der Verkehrssicherheit Antworten auf Fragen rund um Sommerreifen geben und über sicheres Fahren in der warmen Jahreszeit informieren.

Mehr dazu erfahren Sie in unserer Broschüre.

 

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